Geschichte & Kunst

Geschichte von St.Josef:


Im Jahre 1809 wohnten im Gebiet von Rheydt, Giesenkirchen und Odenkirchen gerade einmal 772 Katholiken. Das sollte sich als Folge der industriellen Entwicklung der Gegend in nur einem Jahrhundert gravierend verändern. 1853 zählte man bereits 3300 Seelen und baute die neue Kirche St. Marien. Um 1900 gehörten dann schon stolze 19500 katholisch Getaufte zum Pfarrbezirk. Da der sonntägliche Kirchbesuch damals ein fester Bestandteil des Familienlebens darstellte, führte dies dazu, dass in St. Marien jeden Sonntag mindestens 6 Messen und zusätzlich 3 Andachten abgehalten wurden. Das Gotteshaus war immer bis auf den letzten Platz besetzt und nicht selten mussten Gläubige beim Gottesdienst vor der Kirche stehen.

Eine neue Kirche wurde daher dringend benötigt. Ein glücklicher Umstand begünstigte den Bau einer solchen. 1897 hatte Kommerzienrat Goertz, ein Ziegeleibesitzer aus Mülfort der Kirchengemeinde ein Grundstück an der gerade fertiggestellten Hohenzollernstr. (ab 1929 Keplerstrasse) geschenkt. Er machte es allerdings zur Auflage, darauf innerhalb von 7 Jahren eine Kirche zu erreichten. Zeitgenossen beschreiben den Kommerzienrat als Mann mit „scharfem Verstand und guter Beobachtungsgabe“. Sicherlich war es ein kluger Schachzug, den Bau einer Kirche zu forcieren, denn so war abzusehen, dass seine Grundstücke in dieser noch relativ ländlichen Gegend an Wert gewinnen würden.

Die städtebaulich bemerkenswerte Entscheidung, die Kirche mitten auf dem Hohenzollernplatz zu errichten, war das Ergebnis zäher Verhandlungen zwischen Kommerzienrat Goertz, der Kirchengemeinde und der Gemeindevertretung. Am 30.03.1900 erfolgte die notarielle Beurkundung der Schenkung und am 2.4.1902 wurde die Baugenehmigung für die Kirche erteilt. Pfarrer Heinrich Zimmermann berief eine Baukommission ein und diese beauftragte den Düsseldorfer Architekten Professor Josef Kleesattel mit der Planung und der Bauausführung. Professor Kleesattel hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 20 Kirchen in der weiteren Umgebung gebaut z.B. St. Michael in Holt. Die Kirchengemeinde konnte also quasi „per Katalog“ die einzelnen  Elemente für ihren Kirchenbau aussuchen. Die Baukommission entschied sich für einen großzügigen Plan, bei dem aus ein gewisses Prestigedenken eine Rolle gespielt haben dürfte, denn die evangelische Gemeinde hatte gerade die große Kirche am Markt fertiggestellt und auch die Gemeinde hatte mit dem neuen Rathaus ein repräsentatives Bauwerk errichtet.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 9.8.1903 und nur zwei Jahre später am 10.7.1905 wurde die Kirche durch den Kölner Weihbischof Dr. Müller eingeweiht. Diese kurze Bauzeit erklärt sich auch dadurch, dass viele Bauteile wie Säulen  oder auch Jochbögen in der Werkstatt von Professor Kleesattel vorgefertigt wurden und an Ort und Stelle nur noch eingebaut werden mussten.

Warum man die Kirche dem Hl. Josef, dem Patron der Arbeiter geweiht wurde, ist nicht näher bekannt. Allerdings war der Hl. Josef um 1900 ein sehr populärer Heiliger, den Papst Leo XII 1889 als besonderes Vorbild für die Kirche herausgestellt hatte.

Der Bau der Kirche, die 2200 Gläubigen Platz bot, kostete rund 300.000,- Mark. Veranschlagt hatte man ursprünglich 225.000,- Mark. Die später beschlossene Verblendung der Kirche mit Tuffstein führte dann zu dieser Kostenerhöhung.

Die Chorfenster wurden der Kirche geschenkt, eines vom Pfarrer der Marienkirche und seiner Schwester. Vier Glocken (A C D und E) aus der Glockengießerei in Gescher erklangen bei der Einweihnung und auch eine Orgel, von der Werkstatt Klais in Bonn angemietet, war bereits vorhanden. Schon 1903 hatte sich ein Kirchenchor für die noch gar nicht vorhandene Gemeinde gegründet. 1909 wurde St. Josef dann zur selbständigen Pfarre erhoben und der Kaplan von St. Marien, Josef Meuter, seit 1905 Rektor, wurde der erste Pfarrer. Er war ein sehr kunstsinniger Mensch, der gute Kontakte zu den heimischen Künstlern unterhielt und der auch von seinen Reisen so manche Rarität mitbrachte. Dies führte dazu, dass die Kirche immer besser ausgestattet wurde.

STJ

Leider blieb auch St. Josef von den beiden Weltkriegen nicht verschont. 1917 mussten auf Anweisung des Kriegsministeriums die Glocken abgegeben werden. Erst 1922 wurden sie durch drei neue Glocken ersetzt. Wieder kriegsbedingt wurden zwei Glocken dann 1940 abgegeben. Bei einem Bombenangriff am 1.9.1943 wurde die Kirche beschädigt und das Pfarrhaus mit dem Pfarrarchiv zerstört. Noch schlimmer traf es die Kirche dann aber im letzten Kriegsjahr. Am 27.12.1944 schlug eine Luftmine in die rechte Seitenkapelle des Turmes ein. Nicht nur die Kapelle wurde zerstört sondern auch die Gewölbe des Längstschiffes brachen ein und begruben Altäre, Beichtstühle und die Orgel unter sich. Der Dach wurde teilweise abgedeckt, die Maßwerke der Fenster und die Verglasung wurden zerstört. Am 26.2.1945 schlugen dann auch noch Granaten im Turm ein. Die Spitze wurde abgeschossen.

Da ein Gutachten jedoch ergab, dass eine Sanierung möglich und sinnvoll wäre, begann man zügig mit Aufräumarbeiten und auch erste Arbeiten zum Erhalt der Kirche wurden in Auftrag gegeben. 1948 zog man aus der Notkirche im Gasthaus Schmitz zurück in die Kirche, auch wenn die Dacheindeckung erst 1949 abgeschlossen werden konnte.  1950 stellte man dann den Orgelaufgang und die Glockenstube fertig und auch der Turm wurde restauriert und bekam eine neue Spitze. 1951 erhielt die Kirche die heutige Orgel aus der Werkstatt von Roman Seifert in Kevelaer. Diese war jedoch wesentlich kleiner als die ursprüngliche Klaisorgel. 1952 erneuerte man die Gewölbe im Mittelschiff sowie in den Seitenschiffen. Zwischen 1956 und 1963 erschuf die einheimische Glasbildnerin Marianne Hilgers dann die insgesamt 45 Fenster, welche die Umgestaltung zur heutigen Grabeskirche maßgeblich geprägt haben. Besonders herauszuheben sind die Chorfenster mit ihren bildlichen Darstellungen, welche auf eine Ideen-Skizze des damaligen Kaplans Günter Bender zurückgehen. Damit war die Wiederherstellung der Kirche abgeschlossen.
Erwähnt werden soll an dieser Stelle noch ein Ereignis im Jahr 1983. Nachdem man 1966 bereits wieder am Turm Restaurierungsarbeiten vornehmen musste, stand im Jahr 1982 die Neueindeckung des Daches und die vollständige Renovierung des Innenraumes an. Fast mit Abschluss dieser Arbeiten entstand am 26.9.1983 durch Lötarbeiten im Turm ein Feuer, das den gesamten oberen Teil des Turmes zerstörte. Glücklicherweise blieb der Kirchenraum vom Feuer verschont.  (Quelle: St. Josef Rheydt Kirche und Kunst)

Die Zeit machte aber auch vor der seit 1986 unter Denkmalschutz stehenden Josefskirche nicht Halt. Der weiche Tuffstein der Außenhülle und der Maßwerkfenster, besonders aber auch des Turmes musste restauriert werden. Die Gefahr durch sich lösende Steine machte ein schnelles und gründliches Handeln erforderlich. Der Gedanke der Umnutzung und damit zur Schaffung einer neuen Möglichkeit, das bereits im Gutachten von 1945 als „künstlerisch von hohem Wert“ erachtete Gotteshaus zu erhalten, gipfelte schließlich in der Eröffnung des Trostraumes St. Josef Grabeskirche im Mai 2016.

Kunst in St.Josef:


Kreuzweg auf der Südseite
in Auftrag gegeben 1917, erschaffen von Achilles Moortgart und Hubert Daniels aus hellem Sandstein. Ursprünglich bestand der Kreuzweg aus 12 Reliefs, der Pieta als Vollplastik und der als Altar gestalteten 14. Kreuzwegstation. Im II. Weltkrieg wurden die ersten drei Reliefe jedoch zerstört und nicht wieder ersetzt. Vor Ausführung der letzten Station überwarf sich der Bildhauer mit dem Pfarrer von St. Josef. Daher wurde das Altarrelief vom Düsseldorfer Bildhauer Albert Pehle erschaffen. Es weicht erkennbar von den anderen Stationen ab. Bei den Darstellungen Moorgats ist die Anzahl der beteiligten Personen deutlich reduziert. Die Konzentration des Betrachters wird auf den Mittelpunkt der dargestellten Szene gelenkt. Randfiguren schauen zu, der jeweilige Gesichtsausdruck ist sehr aussagekräftig. Die 13. Station des Kreuzweges ist eine Vollplastik. Tief beugt sich Maria über ihren toten Sohn. Die Hand ist ausgestreckt, als wolle sie das Haupt anheben. Eine tiefe Mutterliebe spricht aus ihrem Blick. Dahingegen liegt der Leichnam Jesu fast entspannt vor ihr; Jesus hat sein Werk vollendet.

Kreuzweg01
 
Kreuzweg02

 

Figur des Hl. Josef im rechten Seiteneingang
Die große Eichenholzskulptur des Hl. Josef wurde 1984 vom ortsansässigen Steinmetz Herbert Weuthen für unsere Kirche geschaffen. Die Anregung kam vom damaligen Pfarrer Josef Venedey, der gemeinsam mit Herbert Weuthen auch das Konzept erarbeitete. Eine wichtige Vorgabe bestand darin, den Hl. Josef nicht als alten, betulichen Mann, sondern als jugendlich, dynamischen Menschen, als Mensch voll innerer und äußerer Kraft darzustellen. Daher trägt unser Josef keinen Bart, und Gesicht und Haartracht sind die eines jungen Mannes, der ruhig und gelassen da steht im einfachen Gewand mit Umhang. Besonders aussagekräftig sind die nach oben geöffneten leicht angehobenen Hände.

Hl. Josef

 

Bild von Malte Renz über dem rechten Seitenaltar „Lumen Mundi“
Das Licht der Welt schwebt bildlich zu uns herab. Wer sind die Betrachter im Vordergrund? Bin das ich? Wen sehe ich? Wen möchte ich im göttlichen Licht sehen?

Lumen Mundi

 

Lettnervorhang vor dem Hochaltar
Dem mittelalterlichen Vorhang nachempfunden, der das Allerheiligste verhüllte, sehen wir hier eine moderne, durchlässige Konstruktion aus 43 dezent leuchtenden Edelstahlrohren. Der Betrachter ist eingeladen quasi durch dieses Labyrinth zu gehen, seinen eigenen Weg zu suchen.

Lettnervorhang

 

Kerzenkapelle
In unserer Kerzenkapelle haben Sie die Möglichkeit, personalisierte Kerzen zu entzünden und auf einem der vielen Glasböden zu platzieren. Das Herzstück der kleinen Kapelle bildet ein Gnadenbild der Mutter Gottes aus Kevelaer. Gemalt wurde es in der Mitte des 17. Jhd.

Kerzenkapelle

 

Die Inschrift lautet:
Vera Effigies Mariae Jesu
Consolatrix afflictorum in agro prope
KEVELAER Miraculis et Hominum
vititatione Celebris Anno 1649

Wahres Abbild Mariens Jesu,
Trösterin der Betrübten,
auf dem Acker nahe KEVELAER,
durch Wunder und den Zulauf
der Menschen berühmt,
im Jahr 1649

 

Madonnenfigur im linken Seiteneingang
Pfarrer Meuters brachte diese Figur aus Lindenholz von einer Reise mit. Künstler und Alter sind unbekannt. Möglicherweise gehörte die Figur zu einer Kreuzigungsgruppe, da die Darstellung mit verschränkten Armen sonst so nicht üblich ist.

Madonnenfigur

 

Minkenbergfiguren auf der Orgelempore
In den Jahren zwischen 1925 und 1933 schuf der in Heinsberg geborene und in Neuss verstorbenen Künstler Hein Minkenberg sieben fast lebensgroße Holzplastiken für die Josefskirche. Sechs der Figuren finden wir auf der Orgelempore; die siebte Figur, der Apostel Jakobus befindet sich hinter dem Hochaltar und blickt gleichsam aus dieser Position den aus der Stadt ausziehenden Pilgern auf ihrem Weg nach Trier hinterher. Die ersten Figuren schuf der Künstler noch im heimischen Atelier, einem alten Ziegenstall in Rheindahlen, die späteren dann in Aachen, wo er als Professor für Bildhauerei lehrte. Beim Tod des Auftraggebers, Pfarrer Meuter im Jahre 1930 befanden sich fünf Plastiken im Besitz der Kirchengemeinde. Es waren dies Petrus (1925), Paulus (1926), Johannes (1927), Jakobus (1928) und Thomas (1929). Ein Grund, keine Figuren mehr zu erwerben, dürfte auch in der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 gelegen haben. Minkenbergs Kunst, christlich und dem als entartet geltenden Expressionismus wesensverwandt, wurde nicht mehr gern gesehen und fand folglich auch keine Unterstützung innerhalb der Kirchengemeinde mehr. 1947 übernahm dann Pfarrer Krehwinkel die Leitung der Pfarre. Er kannte Hein Minkenberg persönlich und schätzte besonders dessen Apostelfiguren. Doch so kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges und den dadurch entstandenen großen Schäden an der Josefskirche durch die Bomben des letzten Kriegsjahres, gab es drängendere Probleme als die Vervollständigung der Apostelgruppe.1951 erbat sich Hein Minkenberg dann von Pfarrer Krehwinkel die Figur des Jakobus zurück. Sie trägt die Gesichtszüge von Minkenbergs Vater und er wollte sie in seinem Atelier in Neuss aufstellen. Zum Ausgleich kam die 1933 geschaffenen Figur des Matthias nach Rheydt. 1965 schließlich wurde dann die Plastik des Simon, geschaffen 1932 erworben. Weitere Figuren gab es noch nicht und durch den Tod des Künstlers kurze Zeit später blieb die Apostelgruppe unvollständig. Allerdings fand zwanzig Jahre nach dem Tod Hein Minkenbergs auch noch die Figur des Jakobus ihren Weg zurück nach St. Josef, da die Gemeinde sie der Tochter des Künstlers abkaufen konnte.

Minkenbergfiguren

 

Die Kirchenfenster
Die insgesamt 45 Kirchenfenster wurden in der Zeit von 1956 bis 1963 von der einheimischen Glasmalerin Marianne Hilgers geschaffen. Die Ausführung und teilweise Restaurierung in 2016 lag beim der Firma Oidtmann in Linnich. Die meisten Fenster sind Ornamentfenster bei denen besonders der Lichteinfall berücksichtigt wurde. So sind die Fenster der Südseite insgesamt dunkler gehalten als die der Nordseite. Im Chorumgang wurde das Wandern der Sonne berücksichtigt. Die drei Chorfenster, nach einer Idee von Kaplan Bender, zeigen den Zusammenhang von Gehorsam (unterste Reihen), Leiden (Mitte)und Erlösung (oberen Felder). Das zentrale mittlere Fenster stellt die Leiden und die glorreiche Wiederkehr Christi dar. Das linke Fenster erzählt die Geschichte des ägyptischen Josef aus dem Alten Testament und das rechte Fenster die des Hl. Josef, des Schutzpatrons der Kirche aus dem Neuen Testament.  Besonders geführt wird das Auge des Betrachters durch die Farbkomposition. Von den dunkeln, bedrückend wirkenden Farbtönen im unteren Teil wandert das Auge des Betrachters hoch bis zum Erlösung verheißenden strahlend hellen Licht der oberen Scheiben. Erwähnt werden sollen noch das Cäcilienfenster im Turm, gestiftet vom Kirchenchor von St. Josef, die vier ornamentalen Fenster der Nordkapelle mit Symbolen der Passion, die Fenster der Kerzenkapelle (frühere Taufkapelle) mit Darstellungen des Hl. Antonius, der Taufe Christi und dem Sendeauftrag Christi an die Apostel sowie das Marienfenster im nördlichen Querschiff.

Kirchenfenster

Bei der Umgestaltung von St. Josef zur Grabeskirche durch den Architekten Dr. Burkhard Schrammen im Jahre 2016 wurden die Farben der Fenster quasi ins Innere hereingeholt.

Fenstereffekt

Regionale Trauerarbeit

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